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Am
9.2.
hielt P. Cantalamessa OFM Cap., Prediger des päpstlichen Hauses,
einen sehr beeindruckenden Vortrag zur geistlichen Vorbereitung auf
die Wahl des Generalministers. Seine Hauptgedanken: Das Generalkapitel
soll in einem "pfingstlichen" Klima gefeiert werden, so von
Franziskus gewollt. Öfters könne man von und über Franziskus lesen:"vom
Geiste bewegt" oder "inspiriert", also ganz offen für
das Wirken des Heiligen Geistes. Ohne dieses geistliche Klima sei Gott
fern, weit weg; in diesem geistlichen Klima dagegen sei Gott nahe,
gegenwärtig. Franziskus habe verstanden, daß mit dem "neuen"
Menschen, mit dem "neuen" Herz ein Leben in Liebe gemeint
sei. Bei der Wahl soll sich deshalb unsere Stimme in Liebe zentrieren. Wenn dagegen jeder Bruder sein eigenes
"progetto" (Projekt) sucht, gibt es "Krieg" untereinander, weil man auf sich selbst zentriert ist.
Wenn dagegen der einzelne Bruder die "Herrlichkeit
Gottes " sucht, gibt es eine gemeinsame Ausrichtung auf Gott
hin. So kann jedes Kapitel sich in zwei Richtungen hin bewegen:
entweder auf die "Gottesstadt Jerusalem" ( Augustinus) hin,
oder auf das "Durcheinander der Stadt Babel", weil jeder
seinen Lieblingsideen nachgeht. Jesus hat von sich selbst gesagt:
"Ich suche nicht meinen Ruhm". Auf dem Kapitel will Gott
durch den Mund des einzelnen etwas sagen: das eigene Charisma wieder
entdecken und in das Heute umzusetzen. "In der Kraft der Umkehr
entstehe der neue Mensch, die Ordensgemeinschaft, die Kirche."
In
Gesprächen, Überlegungen und Gebeten bereiteten sich dann die
Kapitulare auf die so wichtige Wahl des Generalministers vor.
Am 10. 2. zelebrierte dann der
Dekan (Senior) der Kapitulare, fr. Basilius Heiser, 92 Jahre alt,
Ex-Generalminister, mit den Kapitularen die Hl. Eucharistie zum
Heiligen Geist. Um 9:30 Uhr ist dann die Wahl. Zum neuen
Generalminister wird fr. Joachim
Giermek, USA - St. Antonius-Provinz , 57 Jahre alt, lic. theol.,
lic. spirit. franc., gewählt. Er ist der 118. Nachfolger des Hl.
Franziskus in der Leitung des Ordens. Achtzehn Jahre lang war er
General-Assistent für CAA und in der Aus- und Weiterbildung. Die
letzten sechs Jahre war er außerdem Vikar des Ordens (1995 - 2001).
Am
Sonntag, den 11. 2.
wallfahrten wir mit zwei Bussen zum Grab unseres Ordensvaters
Franziskus, hielten einen festlichen Gottesdienst in der Unterkirche
mit dem neuen Generalministers fr. Joachim, seinem Vorgänger fr.
Augustin Gardin, sowie mit fr. Lanfranco Serrini und fr. Basilius
Heiser. Die Predigt hielt der neue Generalminister. Der Chor der
Basilika gab dem Festgottesdienst einen würdigen Rahmen. In Assisi
trafen wir auch die deutschen Mitbrüder fr. Franz-Maria Endres und
fr. Dietmar Leid. Im Refektorium versammelte sich die große
Ordensfamilie zum Mittagessen. Eine von fr. Carlo Vecchiato schön
vorbereitete Vesper in Maria degli Angeli mit der schön restaurierten
Portiunkula-Kapelle, sowie einem Stehempfang im Speisesaal unserer Brüder
OFM beschloß den beeindruckenden Tag in Assisi.
Am
Montag, den 12. 2.
feierten wir alle in
deutscher Sprache die hl. Messe mit deutschen Liedern. In der Aula
dankt der neue
Generalminister fr. Joachim Giermek dem scheidenden Generalminister
fr. Augustin Gardin und sagt dann etwas Näheres über sich und wie er
seine neue Aufgabe sieht:
Er
wolle allen zuhören, fühle sich gesund, habe keinen "Doktor",
sondern nur zwei Lizenziate (lic. theol. und lic. spir. franc.), wolle
noch spontaner und offener werden, wolle in der Weise der
Zusammenarbeit den Orden leiten, wolle die Brüder im Orden vor allem
animieren, getreue dem franziskanischen Charisma, wolle oft einfach
unter den Brüdern sein, wolle Lateinamerika als erstes Land besuchen,
dem Vikar des Ordens einiges delegieren. Er erwarte starke,
entschlossene, spontane Generalassistenten, die ihre eigene Meinung äußern,
fühle sich nicht als "Manager", habe auch etwas übrig für
Rekreation, gemeinsame Pizza, Kinogang etc. , wolle das Amt, die
Aufgaben dezentralisieren, die Brüder sollen zuvor den jeweiligen
Generalassistenten ihre Anliegen mitteilen, dann erst ihm; er möchte
mit den Generalassistenten in die Konferenzen gehen, um die Brüder
und ihre Anliegen kennen zu lernen; er versuche sich auch als "Seelsorger"
der Minister und Kustoden zu verstehen.
Nachmittags
sprachen dann die Brüder in den Coeten darüber, welche Brüder
Aufgaben im Orden übernehmen könnten, z. B. Ökonom, Delegat für
die Ausbildung, Generalassistenten, Prokurator, Sekretär...
Am
Dienstag, den 13. 2.
besuchten uns der Generalminister des OFM (fr. Bini), des OFM Cap. (fr.
Corriveau) und der Vikar des TOR (fr. Sisk) und feierten mit uns die
hl. Messe. Fr. Bissi betonte in seiner Ansprache die gemeinsame
Hingabe (dedizione) an unser franziskanisches Charisma.
Wir konnten in den Coeten und in der Aula auch unsere "Träume",
unsere Erwartungen für die nächsten Jahre äußern: Vertiefung der
franziskanischen Spiritualität, Sensibilität für unsere Umgebung in
der wir leben, Offenheit für die Herausforderungen in der heutigen
Gesellschaft; Sorge für Aus- und Weiterbildung und für ein
franziskanisches Pfarrapostolat, mehr Verantwortung über die
Provinzgrenzen hinaus, noch mehr mit und für die Armen leben, eine
authentische Inkulturation, mehr Kommunikation und Versöhnung,
aktuelle Webseiten des Ordens im Internet etc.
Vom
"Instrumentum laboris" haben wir uns bisher mit folgenden
Themen befaßt, bzw. später dann auch darüber abgestimmt:
Weiterbildung, gemeinsames Gebet, Harmonie in den Konventen von Gebet,
Brüderlichkeit und Sendung (Apostolat), "neue Modelle" von
Gemeinschaften, Vier-Jahresprogramm der Provinzen, Verstärkung der
theol. Fakultät am Seraphicum, ein "Netz" von
Franziskanologen schaffen, Zeiträume für einen Aufenthalt (ritiro)
im Sacro Convento von Assisi, Außerordentliches Generalkapitel nur
noch in Ausnahmefällen, verschiedene Möglichkeiten der Begegnungen
von Provinz- und Ordensleitung, Art und Weise der Generalvisitationen,
Errichtung und Aufhebung von Provinzen, juridischer Stand einer "Generalsdelegation".
Am
Abend hat sich der "Vergnügungsausschuß" zum ersten Mal
bewährt. Es gab eine schöne Rekreation mit Liedern und Getränken.
Sie brachte Heiterkeit in die meist ernste Arbeit mit dem
"Instrumentum laboris".
Am
Mittwoch, den 14. 2.
wurden dann die ersten Abstimmungen in der Aula über die Themen 12,
29,30, 19, 20 und 21 durchgeführt. Demnach bekommen Asien/Australien
und Afrika je einen eigenen Generalassistenten (12). Nr. 29: "Der
Dienst des Generalsekretärs für die missionarische Animation wir in
einem eigenen Statut bestätigt. Nr. 30: An die Stelle des bisherigen
Generalassistenten für die Aus- und Weiterbildung tritt ein Sekretär
(Delegat).
Am
Donnerstag, den 15. 2.
ging es mit den Wahlen für die nächsten sechs Jahre weiter.
Gen.
Ass. und Prokurator: fr. Carl Vecciato (Prov. Padua)
Gen.
Ass. und Sekretär des Ordens: fr. Carl Vecciato
Gen.
Ass. als consigliere legate: fr. Gianfranco Girotti (röm. Provinz)
Gen.
Ass. für CIM und Vikar des Ordens: fr. Ferminio Giacometti ( Prov.
Marche)
Gen.
Ass. für CAA: fr. John-Joseph Dolan , fratello religioso (Prov. St.
Antonius USA)
Gen.
Ass. für CAL: fr. Geraldo Monteiro (Prov. Brasilien)
Gen.
Ass. für CEC: fr. Leo Beck (Prov. Deutschland)
Gen.
Ass. für DEO: fr. Jerzy Maculewicz (Prov. Krakau)
Gen.
Ass. für FAAMC (Asien/Australien): fr. Eugenio Masaru Kawachimo (Prov.
Japan)
Gen.
Ass. für AFCOF (Afrika): fr. Bonaventura Mpasa (Prov. Zambia)
Generalökonom
für den Orden: fr. Giorgio Silvestri (Prov. Padua)
Generalminister
fr. Joachim Giermek dankte den bisherigen, ausscheidenden
Generalassistenten für ihren brüderlichen Dienst und Einsatz:
fr.
Enrique Montero (AFCOF und FAAMC, CM; 8 Jahre)
fr.
Ivair Antonio Da Silva (FALC; 6 Jahre)
fr.
Vincenzo Coli (CIM; 12 Jahre)
fr.
William Robinson (CAA; 6 Jahre)
Am
Freitag, den 16. 2. feierten
wir mit Kardinal Somalo die hl. Eucharistie. In der Aula stimmt die
Mehrheit für die Anträge 1 bis 5 und 7 bis 10; weiters für 11, 14,
15, 18 und 40. Praktisch einstimmig. Mit ganz großer Freude erhebt
das Generalkapitel die Generalkustodie von Korea zur Provinz.
Am
Samstag, den 17. 2.
feierten wir - vielleicht zum ersten Mal während eines
Generalkapitels- die hl. Messe im Petersdom. Gegen zwölf Uhr war dann
die Papstaudienz mit Papst Johannes Paul II., der zwar mit einem Stock
in die Sala Clementina hereinkam, aber gut beisammen war, einem jeden
die Hand gab und unter Gesängen ( auch "stolat"..) und
erhobenem Stock uns verließ.
Mit
dem Mittagessen in der Casa Kolbe endete der gemeinsame Aufenthalt in
Rom.
fr.
Leo Beck, Ass. Gen.
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